Peenemünde

… ist eine kleine Gemeinde auf der Ostsee-Insel Usedom im Landkreis Vorpommern-Greifswald im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehört zum Amt Usedom-Nord mit Sitz in Zinnowitz.

Aufgrund der dort stationierten Heeresversuchsanstalt Peenemünde, in welcher Raketen, von denen die »Aggregat 4« (von der nationalsozialistischen Propaganda V2 genannt) die Einsatzreife erreichte, entwickelt wurden, erlangte die Gemeinde größere Bekanntheit.

Geografie

Peenemünde ist die nördlichste Gemeinde der Insel Usedom und befindet sich nordwestlich des Seebades Karlshagen, am Übergang des Peenestromes in die Ostsee.

Geschichte

Peenemünde wurde 1282 erstmals in einer Urkunde Herzogs Bogislaw IV. erwähnt, in der er den Ort der Stadt Wolgast schenkte.[2] Die Küstengegend um Peenemünde war aber schon weitaus früher den Wikingern im Zusammenhang mit ihren Kriegs- und Handelsfahrten nach Jumne im Oderhaff, dem Vineta der Sage, bekannt. Wikingerschmuck, der in den Jahren 1905 bis 1908 im Forst am Peenemünder Haken als Verwahrfund und 1938 in der Peene bei Peenemünde als Baggerfund zutage trat, dokumentiert die Anwesenheit von Nordländern vor etwa 1000 Jahren. Die Ringe werden als dänische Goldschmiedearbeiten aus der Zeit der Könige Gorm und Harald Blauzahn im 10. Jahrhundert angesehen. Die Peenemünder Wikingerfunde stehen sicherlich im Kontext mit der Seeschlacht von Svold, die am 9. September 1000 mit hoher Wahrscheinlichkeit im Greifswalder Bodden stattfand.

Der nordischen Geschichte der Insel Usedom wurde mit den “Wikinger-Lagern” zu Pfingsten in den Jahren 1995 bis 2000 in Peenemünde Rechnung getragen. Ein extra dazu gestalteter moderner “Runenstein” mit “Runenzeichen” fand seinen Platz später im Hafen. Der wuchtige Granitfindling trägt eine in Runen des jüngeren Futhark eingehauene Inschrift, die in Übersetzung folgendes beinhaltet: fusnan (=Insel Usedom) – jomsbork (=Jomsburg) – CMXCV – MCMXCV (995-1995). Die römischen Zahlen beziehen sich auf das 1000jährige Landesjubiläum Mecklenburg-Vorpommerns, das 1995 begangen wurde.

Während des Dreißigjährigen Krieges landete am 26. Juni 1630 der schwedische König Gustav II. Adolf mit einer 15.000 Mann starken Streitmacht bei Peenemünde und besetzte nach der Eroberung Usedoms bald das gesamte Odermündungsgebiet.[3]

Nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 wurde Peenemünde mit Vorpommern schwedisch.

Während des Großen Nordischen Krieges eroberte der preußische General Georg Abraham von Arnim vom 21. bis 22. August 1715 den Ort. Aber erst nach dem Frieden von Stockholm im Jahr 1720 wurde der Ort mit Usedom-Wollin und Altvorpommern preußisch. Nach der Verwaltungsreform 1815 kam Peenemünde zur preußischen Provinz Pommern und gehörte von 1818 bis 1945 zum Landkreis Usedom-Wollin.

1858 hatte Peenemünde 550 Einwohner mit dem Vorwerk Gaaz, 33 Familien lebten vom Fischfang. Im Dorf gab es 82 Wohngebäude und eine Schule. Das Dorf gehörte der Stadt Wolgast.

Bekannt wurde Peenemünde durch die Heeresversuchsanstalt Peenemünde („Peenemünde-Ost“) und die Erprobungsstelle der Luftwaffe „Peenemünde-West“ von 1936 bis 1945. 1936 erwarb die Wehrmacht den gesamten Insel-Norden von Karlshagen bis zum Peenemünder Haken von der Stadt Wolgast und von Privatpersonen. Die Bevölkerung musste den Ort verlassen, nur fünf Einwohner blieben als Zivilbeschäftigte der HVA (Heeresversuchsanstalt Peenemünde).

Das Gelände wurde bis 1952 als sowjetischer Marine- und Luftwaffenstützpunkt der Roten Armee – später Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland – genutzt.

1952 erfolgte die Übergabe des Stützpunkts an die Kasernierte Volkspolizei See als Vorläuferformation der Nationalen Volksarmee der DDR. Diese nutzte ihn unter anderem als Marinestützpunkt der 1. Flottille der Volksmarine und den Flugplatz durch das 9. Jagdfliegergeschwader der Luftstreitkräfte der NVA.

Von 1945 bis 1952 bildete die Gemeinde, mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland verbliebenen Teil des Landkreises Usedom-Wollin, den Landkreis Usedom im Land Mecklenburg, welcher 1952 im Kreis Wolgast im Bezirk Rostock aufging.

Bis 1990 war der gesamte nördliche Bereich der Insel Usedom bis nach Karlshagen Sperrgebiet der Nationalen Volksarmee, die dort einen wichtigen militärischen Flugplatz betrieb. Der Flugplatz Peenemünde gehörte schon zur einstigen Erprobungsstelle der Luftwaffe „Peenemünde-West“ und wurde von 1958 bis 1961 baulich erweitert und seit 1961 vom „Jagdfliegergeschwader 9“ der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee genutzt.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Truppenstandort im Jahr 1993 aufgelöst.

Die Gemeinde gehört seit dem Jahr 1990 zum Land Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1994 gehörte Peenemünde zum Landkreis Ostvorpommern, der 2011 im Landkreis Vorpommern-Greifswald aufging.

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